Søren Kierkegaard Zitate
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Zwischen Verstehen und Wollen liegen die Entschuldigungen und die Ausflüchte.
Es ist im ganzen nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Wege zu gehen.
Dagegen glaube ich an die Richtigkeit des Satzes, daß kein Mensch es ertragen kann, das Unendliche zu sehen.
Als geistlos bestimmt ist der Mensch eine Sprechmaschine geworden, und es steht dem nichts im Wege, daß er ebenso gut einen philosophischen Schwulst auswendig lernen kann wie ein Glaubensbekenntnis und ein politisches Rezitativ.
Wenn es sich darum handelt, eine Verlobung aufzuheben, da ist jedes Mädchen der geborene Kasuist, und ich möchte diese Frage lieber mit dem Teufel disputieren als mit einem jungen Mädchen.
Die Möglichkeit ist die schwerste aller Kategorien.
Jesus Christus will nicht Bewunderer, sondern Nachfolger. Der Bewunderer ist die billigste Volksausgabe des Nachfolgers.
Das einzige absolute Entweder – Oder, das es gibt, ist die Wahl zwischen gut und böse.
Es geht den meisten Systematikern in ihrem Verhältnis zu ihren Systemen wie einem Mann, der ein ungeheures Schloß baut und selbst daneben in der Scheune wohnt.
… nur wer in Angst war, findet Ruhe.
Von dem ethischen Individuum kann man sagen, es sei wie das stille Wasser, das einen tiefen Grund hat, während der, der ästhetisch lebt, nur oberflächlich bewegt ist.
Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was Gott eigentlich will, daß ich tun soll; es gilt eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit ist für mich, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.
Die Christenheit hat, ohne es recht selber zu merken, das Christentum abgeschafft; daraus ergibt sich, daß, wenn etwas geschehen soll, versucht werden muß, das Christentum wieder in die Christenheit einzuführen.
Es ist keine Kunst, ein Mädchen zu verführen, aber ein Glück, eines zu finden, das es wert ist, verführt zu werden.
Je unendlicher einer ist, desto mehr kann und will er sich um Kleinigkeiten kümmern. Ich glaube dieses buchstäblich: daß Er um jeden Sperling sich kümmere.
Man hat das Christentum viel zu sehr zu einem Trost umgearbeitet und vergessen, daß es eine Forderung ist.
Es ist recht merkwürdig, daß die christliche Orthodoxie stets gelehrt hat, das Heidentum liege in der Sünde, während doch das Sündenbewußtsein erst durch das Christentum gesetzt worden ist.
Das Höchste, was ein Mensch vermag, ist, daß er sich von Gott helfen lassen kann. Gott dringend nötig zu haben, ist des Menschen höchste Vollkommenheit.
Das Dasein jemandes, der da ist, zu beweisen ist das unverschämteste Attentat, da es ein Versuch ihn lächerlich zu machen ist.
Eine Frau hat mehr Angst als der Mann, weil sie weniger als Geist bestimmt ist.
Wer hingegen gelernt hat sich recht zu ängsten, der hat das Höchste gelernt.
Die Bibel ist nicht dazu da, daß wir sie kritisieren, sondern dazu, daß sie uns kritisiert.
An sich ist Müßiggang durchaus nicht Wurzel allen Übels, sondern ist, im Gegenteil, ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt.
Ist nicht das, was für den Weisen am allerschwersten zu verstehen ist, gerade das Einfältige? Der Einfältige versteht das Einfältige direkt, aber wenn es der Weise verstehen soll, wird es unendlich schwierig.
Das größte Examen, dem ein Mensch sich zu unterwerfen hat, wozu ihm auch das ganze Leben angewiesen ist, das ist: Christ werden und Christ sein.
Ein Zweifler ist ein Memastigômenos (Gepeitschter); wie ein Kreisel erhält er sich kürzere oder längere Zeit unter den Peitschenschlägen auf der Spitze. Stehen kann er nicht, so wenig wie der Kreisel.
Nur die gemeineren Naturen haben das Gesetz ihrer Handlungen in einem andern Menschen, die Voraussetzungen ihrer Handlungen außerhalb ihrer selbst.
Des Gottes zu bedürfen ist des Menschen höchste Vollkommenheit.
Das Geistige hat seinen Ausdruck im Antlitz.
Nur vom Verwandelten können Verwandlungen ausgehen.
Wer das Schicksal erklären soll, der muß ebenso zweideutig wie das Schicksal sein.
Es gibt eine Anschauung vom Leben, welche meint, daß da, wo die Menge ist, auch die Wahrheit sei, daß es der Wahrheit selber ein Bedürfnis sei, die Menge für sich zu haben.
Wie doch der Mensch am Leben hängt; mit welch zweideutiger Angst, es zu verlieren, es zu behalten!
Einmal war es so: Der Mensch verstand nur wenig, aber das Wenige bewegte ihn tief. Heute versteht er viel, aber es bewegt ihn nicht mehr oder doch nur oberflächlich.
Das Genie begehrt nie, was nicht existiert.
Der eigentliche Genuss liegt nicht in dem, was man genießt, sondern in der Vorstellung.
Ich bin etwas unproportioniert gebaut. Wie das Känguruh habe ich ganz kurze Vorderbeine, aber unendlich lange Hinterbeine. Für gewöhnlich sitze ich ganz still; komme ich aber einmal in Bewegung, so mache ich einen ungeheuren Sprung zum Entsetzen aller derjenigen, mit welchen ich verbunden bin.
Alles kommt wieder, aber auf eine andere Weise.
Sich um die Liebe zu betrügen, ist der fürchterlichste Betrug; es ist ein ewiger Verlust, der sich nie ersetzen läßt, weder in der Zeit noch in der Ewigkeit.
Es ist Talent nötig zum Zweifeln, aber es ist schlechterdings kein Talent nötig zum Verzweifeln.
Für drei Dinge danke ich Gott – 1) Daß kein lebendes Wesen mir sein Dasein verdankt.
Müßiggang als solcher ist keineswegs eine Wurzel des Übels, im Gegenteil, er ist ein wahrhaft göttliches Leben, wenn man sich mir nicht langweilt.
In unserer Zeit bleibt keiner beim Glauben stehen, sondern geht weiter.
Der Zustand der Welt ist krank. Wenn ich Arzt wäre und man mich fragte: Was rätst Du? Ich würde antworten: schaffe Schweigen.
Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Nur wenn „lieben“ Pflicht wird, nur dann ist die Liebe ewig und glücklich, abgesichert gegen die Verzweiflung.
Das Gebet verändert nicht Gott, sondern es verändert den Betenden.
Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann.
Existieren ist zwar eine Unvollkommenheit im Vergleich mit dem ewigen Leben der Idee, aber eine Vollkommenheit dem gegenüber, gar nicht zu sein.
Neid ist unglückliche Selbstbehauptung.