Gotthold Ephraim Lessing Zitate
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Oft beweisen diese Herren durch ihre Beweise nichts, als daß sie das Beweisen hätte bleiben lassen.
Wie manches würde in der Theorie unwidersprechlich scheinen, wenn es dem Genie nicht gelungen wäre, das Widerspiel durch die Tat zu erweisen.
Sollte die Freiheit zu streben, die uns die Götter in allen Umständen des Lebens gelassen haben, sollte diese ein Mensch dem andern verkümmern können?
Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab.
Ein anderes ist’s, einem Weihrauch streuen, und ein anderes, einem das Rauchfaß um den Kopf schmeißen.
Niemanden kann ich sehn, auch mich sieht niemand an: wie viele Blinde seh‘ ich armer, blinder Mann.
Zug um Zug ist eine Regel in der Handlung, aber nicht in der Freundschaft. Handel und Wandel leidet keine Freundschaft, aber Freundschaft leidet auch keinen Handel und Wandel.
Alle Dichter wollen weniger gelobt und fleißiger gelesen sein.
Daß Sokrates ein Prediger der Wahrheit sei, sollten auch seine Feinde bezeugen, und wie hätten sie es anders bezeugen können, als daß sie ihn töteten?
Wer Freunde sucht, ist sie zu finden wert, wer keinen hat, hat noch keinen begehrt.
Die logische Ordnung unserer Gedanken ist nicht immer die, in welcher wir sie andern mitteilen. Aber sie ist die, welche vor allen Dingen der Gegner aufsuchen muß, wenn sein Angriff nach der Billigkeit sein soll.
O ein Fürst hat keinen Freund! kann keinen Freund haben!
Mit Absicht handeln ist das, was den Menschen über geringere Geschöpfe erhebt; mit Absicht dichten, mit Absicht nachahmen, ist das, was das Genie von den kleinen Künstlern unterscheidet, die nur dichten um zu dichten, die nur nachahmen um nachzuahmen.
Eingestandene Übereilung ist oft lehrreicher als kalte überdachte Unfehlbarkeit.
Wir sind Menschen. Die Gabe zu beten, ist nicht immer in unserer Gewalt. Dem Himmel ist beten wollen auch beten.
Du bist, wie du warst.
Verschließe den Mund, bevor ihn ein böses Wort verläßt.
Du kennst die Christen nicht, willst sie nicht kennen, ihr Stolz ist, Christen sein, nicht Menschen.
Ich weiß es, es ist die Pflicht eines Freundes, dem andern zu verzeihen. Doch ist es auch des andern Pflicht, ihm so wenig Gelegenheit dazu zu geben, als ihm nur möglich ist.
Wir haben, solange unser Freund hat.
Ein Mann, der Unwahrheit unter entgegengesetzter Überzeugung in guter Absicht ebenso scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr wert als ein Mann, der die beste, edelste Wahrheit aus Vorurteil, mit Verschreiung seiner Gegner, auf alltägliche Weise verteidigt.
Die grübelnde Vernunft drängt sich in alles ein.
Gleichheit ist immer das festeste Band der Liebe.
Wer von mir nichts annehmen will, wenn er’s bedarf und ich’s habe, der will mir auch nichts geben, wenn er’s hat und ich’s bedarf.
Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt, Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden: So sei mir wenigstens für das verbunden, Was ich zurück behielt.
Zu einem großen Manne gehört beides: Kleinigkeiten als Kleinigkeiten und wichtige Dinge als wichtige Dinge zu behandeln.
Es wäre wenig in der Welt unternommen worden, wenn man immer nur auf den Ausgang gesehen hätte.
Der Haß, den man auf verloschne Freundschaft pfropfet, muß, unter allen, die tödlichsten Früchte bringen; – oder ich kenne das menschliche Herz zu wenig.
Freilich gibt es immer und überall Leute, die, weil sie sich selbst am besten kennen, bei jedem guten Unternehmen nichts als Nebenabsichten erblicken.
Erröten macht die Hässlichen so schön.
Wer eine Ausnahme schildert, schildert unstreitig das minder Natürliche.
Nichts verächtlicher als ein brausender Jünglingskopf mit grauen Haaren.
Es finden sich im Traume Dinge oft wieder zusammen, die man seit vielen Jahren nicht miteinander gedacht hat.
Von weitem schon gefiel mir Phasis sehr: Nun ich sie in der Nähe Von Zeit zu Zeiten sehe, Gefällt sie mir – auch nicht von weitem mehr.
Die Dienste der Großen sind gefährlich und lohnen der Mühe, des Zwangs, der Erniedrigung nicht, die sie kosten.
Ach, diese ewig grünen Bäume warum können sie nicht einmal blau sein.
Nichts gibt mehr Ausdruck und Leben, als die Bewegung der Hände; im Affekte besonders ist das sprechendste Gesicht ohne sie unbedeutend.
Derjenige ist der beste Mensch, der die größte Fähigkeit im Mitleiden hat.
Es muß entweder gar keine Wahrheit sein, oder sie muß von der Beschaffenheit sein, daß sie von den meisten, ja von allen, wenigstens im wesentlichen empfunden werden kann.
Einen elenden Dichter tadelt man gar nicht; mit einem mittelmäßigen verfährt man gelinde; gegen einen großen ist man unerbittlich.
Der Waage gleicht die große Welt: Das Leichte steigt, das Schwere fällt.
Ha! Daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen! Auf dem langen Wege aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wieviel geht da verloren.
Zuviel kann man wohl trinken, doch nie trinkt man genug.
Geduld ist die Kunst, die Ungeduld zu verbergen.
Gar mancher lacht der Kinderfibel und schrieb doch ohne sie kein Wort. So lacht gar mancher wohl der Bibel und zehrt von ihr doch fort und fort.
Verlangt dein Kind ein Freier, der wenig nach der Mitgift fragt, so denke, was das Sprichwort sagt: Sehr wohlfeil ist sehr teuer.
Darf eine einzige fehlgeschlagene Hoffnung uns gegen die Welt so unversöhnlich machen?
Die Sprache kann alles ausdrücken, was wir deutlich denken; daß sie aber alle Nüancen der Empfindung sollte ausdrücken können, das ist ebenso unmöglich, als es unnötig sein würde.
Die erste und älteste Meinung ist in spekulativen Dingen immer die wahrscheinlichste, weil der gesunde Menschenverstand sofort darauf verfiel.
So schreibet unserer Freundschaft Nur gleich den Abschiedbrief!