Karl August Varnhagen von Ense Zitate
Nichts kann uns wehren sogar vorauszusetzen, daß neben dem Größten und Besten, welches wir sehen, noch ebendergleichen zahlreicher im Verborgenen weilt, und uns darum nicht minder zum Gewinne lebt.
Die Geschichte ist ein Gerichtshof, den die Könige nicht bestehen können, gegen den all ihre Macht in Staub zerfällt wie sie selbst.
Es kann nichts verloren gehen, nichts aufhören, als das Nichtige, das Gemeine.
Die Faulheit hat auch ihre Klugheit und bringt sich teilweise zum Opfer, um sich größerenteils zu retten.
Für edlere Gemüter sind Prüfungen zugleich Stärkungen.
Im Warten nicht verzagen, [ist] der höchste Mut.
Liebe und Vertrauen, die sind das Beste, was wir pflegen können!
Wir haben es leicht, verständig und helldenkend zu sein, nachdem frühere Geschlechter für uns den Aberglauben gehabt und erschöpft.
Reine Liebenswürdigkeit und echter guter Willen [sind] die höchsten menschlichen Eigenschaften […], gegen welche alles tatkräftige Heldentum mit seinem Glanz und Ruhm zurücktritt.
Menschen ohne Sitten sind die wahren Geißeln der anderen.
Lob hat von der Wollust das an sich, daß Ekel und Reiz dicht beisammen sind.
Der Mensch fürchtet den Tod, bloß weil er noch nicht glücklich genug gewesen ist; im höchsten Glück möchte er gleich hinsterben!
Das Gleichmaß aber, die Zusammenstimmung, der innere Verkehr, alles, was dem Menschen für sich selbst als Leben und Bildung zu Gute kommt, wodurch er als Person für seine nächste Welt am bestimmtesten gilt und wirkt, ist unleugbar von höherem Werte, als die einseitige Virtuosität.
Es gibt eine gehässige, ungehobelte, tölpische Art zu tadeln, womit nichts gewonnen, niemand gebessert, nur die Absicht, wehe zu tun, erreicht wird. Es gibt eine andere, geistreiche, wohlwollende Art des Tadels, wodurch wir nicht wenig gefördert werden können.